Manche Jobs sind lebensgefährlich. Minenräumer sind oft nur einen falschen Schritt vom Tod entfernt.
Wie ist dieser Job? Das will ich nacherleben – so realistisch wie möglich.
Minen gehören zu den tückischsten Waffen, die es gibt. Einerseits sind sie eine Gefahr während des Krieges, andererseits aber auch danach,
denn oft bleiben sie noch jahrzehntelang im Boden. Und genau hier kommen Minenräumer ins Spiel. Sie setzen ihr Leben aufs Spiel, um Minen zu beseitigen.
Ich will wissen, wie ist es als Minenräumer zu arbeiten, wie gefährlich ist dieser Job. Und genau dafür treffe ich heute jemand, der als Minenräumer arbeitet.
Frank, hallo, grüß Dich. - Moin.
Es sieht hier sehr idyllisch aus, ist es natürlich auch, aber wenn das keine Simulation wäre, wäre das hochgefährlich dieses Gebiet, oder?
Wenn es keine Simulation wäre, dann schon, aber um es mal darzustellen, wir haben einfach mal ein paar Minen und Sprengfallen vorbereitet.
Also ich gehe jetzt mit einem Metalldetektor rum und suche die?
Zunächst machen wir erst einmal ein bisschen Grundausbildung, dann zeigen wir Dir den Detektor und dann geht es mal richtig los.
Zur Grundausbildung gehört etwas historischer Hintergrund. Woher kommt der Ausdruck „Mine“? Das geht auf die Anfänge dieser Waffe zurück.
Ein gutes Beispiel ist die Belagerung Wiens durch die Türken im Jahr 1683.
Da die Angreifer mit ihren Kanonen nicht durch die starken Mauern kommen, treiben sie unterirdische Stollen, d.h. „Minen“, unter die Festung.
Die sogenannten Mineure wollen sie mit Pulverfässern von unten sprengen.
Doch die Mineure haben Gegner. In den Kellern nahe der Stadtmauer versuchen Horchposten herauszufinden, wo die Angreifer Tunnel graben.
Die Verteidiger buddeln Gegenstollen, um die feindlichen Pulverkammern aufzuspüren. Ein Kampf gegen die Zeit.
In letzter Sekunde gelingt es den Wienern, die Zündung einer großen Pulverladung zu verhindern. Ein Riesenerfolg der ersten Minenräumer.
Für moderne Minen werden keine unterirdischen Stollen mehr gegraben. Doch der Name ist geblieben.
Bei München bildet Frank zukünftige Minenräumer aus.
Was ist denn so die typische, die klassische Landmine, die häufig eingesetzt wird?
Das ist die klassische Sprengmine, die durch Sprengwirkung praktisch die unteren Extremitäten zerstört. Das eine Beispiel hätten wir mal hier. Das wäre das Original.
Um das mal zu demonstrieren, wir haben einen Container, wir haben den Sprengstoff und den Zünder, der ist eingebaut. Die Verlegung ist auch ganz einfach.
Das ganze wird entsichert, wird geschärft. Jetzt ist die Mine einsatzbereit und durch einfaches Drauftreten und Druckausübung löst der Zünder aus.
Das ist praktisch das, was übrig bleibt nach 30 Gramm Sprengstoff. Das wäre in der Realität ein abgerissener Fuß.
Im amerikanischen Bürgerkrieg spielen Landminen erstmals eine größere Rolle.
Der konföderierte General Gabriel J. Rains setzt 1862 in der Belagerung von Yorktown Landminen mit simplen mechanischen Zündern ein.
Aus der Offensivwaffe der Mineure wird eine Verteidigungswaffe gegen anstürmende Feinde. Die Gegner reagieren mit Härte.
Nordstaatenoffiziere setzen Gefangene ein, um die heimtückischen Sprengsätze aufzuspüren.
Doch zum Glück explodieren nur wenige der Minen – das Schwarzpulver in ihnen ist zu witterungsanfällig.
Erst eine Erfindung des Schweden Alfred Nobel macht Landminen zu einer kriegstauglichen Massenwaffe.
1866 entwickelt er einen Sprengstoff, der nicht so anfällig ist wie Schwarzpulver und dazu noch dazu mehr Energie freisetzt. Er nennt seine Erfindung Dynamit.
Im 20. Jahrhundert werden Landminen massenhaft eingesetzt. Schätzungen gehen für den Zweiten Weltkrieg von mehreren Hundert Millionen Minen gegen Panzer und Personen aus.
Diese wurden nicht nur durch Druck ausgelöst.
Das andere sind Stolperdrähte, die gerne benutzt werden, hier im Bereich der Splitterminen.
Die im Gegensatz zu Sprengminen durch Splitter Menschen töten sollen, das ist die erste Intention.
Das heißt, es gibt Minen, die dafür gedacht sind, Menschen zu töten, andere sollen in Anführungszeichen Menschen nur verletzen, um entsprechende Kapazitäten auch zu binden beim Militär. - Korrekt.
Weltweit wurden im Jahr 2024 mehr als 6.000 Menschen durch Minen verletzt oder getötet. 90 Prozent der Opfer waren Zivilisten, rund die Hälfte von ihnen Kinder.
Aktuell wird auch ein Land in Europa wieder zum Minenfeld: die Ukraine.
Auch nach Jahrzehnten im Boden bleiben viele der Sprengkörper scharf und können explodieren. Das macht den Job des Minenräumers lebensgefährlich.
Frank Masche bildet seit Jahren Minenräumer in der Ukraine aus. Er zeigt ihnen und mir, wie man das Risiko minimieren kann.
Das ist jetzt so ein Anzug, wie ich gleich tragen werde, oder?
Leider nein, das ist jetzt ein klassischer Entschärfer-Anzug, was wir anziehen ist wesentlich leichter, bedienungsfreundlicher.
Also, das ist für die Entschärfung, bei uns geht es ums räumen. Kannst Du mal den Anzug zeigen, den wir nehmen werden?
Richtig, wir nehmen jetzt das Modell mit so einer Schürze vornedran. Im Bereich der Minenräumung sind wir die meiste Zeit auf den Knien.
Das heißt wir bauen mit der Schürze eine Schutzwand auf, mehr oder weniger, die geht bis hier oben hoch. Wir haben den Kragen.
Dann noch der Helm dazu. Im Grunde ist es so, dass der Kragen jetzt mit dem Polykarbonat hier abschließt.
Im Zweiten Weltkrieg bauen die Deutschen an der Küste eine riesige Verteidigungsanlage: den sogenannten Atlantikwall.
Sie bestücken ihn mit Geschützen, Bunkern und Millionen Landminen.
Doch die alliierte Landung in der Normandie im Juni 1944 kann die Befestigung nicht verhindern. Aber nach dem Ende der Kämpfe lauern vielerorts im Boden noch tödliche Minen.
Es beginnt eine Räumung im großen Stil. In den Wochen nach der Landung werden Schulungsstätten für Minenräumer eingerichtet.
Die Räumung übernehmen französische Freiwillige und später deutsche Kriegsgefangene.
Kennst Du auch Menschen, die dabei zu Schaden und wirklich mal umgekommen sind?
Ich kenne persönlich einen Fall, das war ein wirklich unvermeidbarer Unfall, wo der Schutz aber dafür gesorgt hat, dass der Kollege das Augenlicht behalten hat, das Gehör
und auch später durch Operationen seinen Arm wiedererlangt hat, das hat Muskelmasse abgetragen, aber er hat überlebt und war auch wieder voll funktionsfähig danach.
Gut, das passiert uns heute zum Glück nicht. Ziehen wir uns an und dann geht’s raus. - So machen wir das.
So, ich mache das mal hoch, wir sind ja in einem Übungsfeld, da geht das sicher.
Ich habe schon einiges gelernt über Minen, wie gefährlich, wie brutal Minen sein können auf der einen Seite und auf der anderen Seite,
dass Minen Waffen sind, die nicht zum Opfer kommen, sondern andersrum, das Opfer kommt zur Waffe. Und das ist natürlich auch eine extrem brutale Sache.
Grundsätzlich dienen Minen dazu, den Gegner am Vormarsch zu hindern und in seiner Bewegung einzuschränken.
Meistens werden sie in großer Zahl verlegt, um eine hohe Sperrwirkung zu erzielen. Das geht schnell und leicht und ist vergleichsweise billig.
Schon für wenige Euro kann eine Mine produziert und gelegt werden.
Sie zu entsorgen, kostet dagegen Hunderte Euro.
Wie gehen wir da jetzt vor am besten?
Wir haben jetzt hier zwei Übungsfelder aufgebaut. Im Grunde genommen gibt es zwei Methoden, die eine ist die klassische,
das wäre „prodding excavation“, da nimmst Du eine Minennadel zum Stochern und legst dann das Hindernis frei.
Das kann natürlich passieren, dass man eine Mine dabei auslöst, oder? Das ist die Gefahr, die dabei besteht. Das kann passieren, dass man dann unvorsichtig wird, zu viel Kraft anwendet, den Winkel verändert, das sind dann diese Unfallmöglichkeiten. Deswegen mache ich das nicht so.
Dann bin ich froh, dass wir dieses Ding da haben, das sich schon auch schon lautstark bemerkbar macht.
Der Metalldetektor ist das wohl wichtigste Hilfsmittel bei der Minensuche.
In den 1930er Jahren werden leichte tragbare Geräte entwickelt, die im Zweiten Weltkrieg die Lokalisierung von Minen ermöglichen. Eine Revolution in der Minenortung.
Wie geht man vor?
Also, in dem Fall hier zum Beispiel, das ist jetzt der lineare Approach, da haben wir die Grundlinie, die rote. Wir gehen das ab. Das sind jetzt Störtöne.
Mit diesen Fähnchen ist unser Bereich jetzt abgesteckt, den wir untersuchen?
Damit wir wirklich auch jeden Quadratzentimer untersuchen. Hier habe ich jetzt nichts weiter gehört. Wir kommen jetzt hier hin und da merken wir jetzt schon...
Hier irgendwo in diesem Bereich. Also da muss jetzt irgendwas sein, das wissen wir jetzt. Da legst du jetzt dieses Hütchen hin.
Das lege ich hierhin. Das ist jetzt eine Arbeitsersparnis. Ich kann jetzt weitermachen.
Sobald ich meinen Sicherheitsabstand eingenommen habe, kommt jetzt der nächste Kollege
und kann jetzt dieses Signal konkret nochmal andetektieren, angraben und dann feststellen, ist es eine Mine oder nicht?
Also haben wir jetzt etwas gefunden. Und wir wissen jetzt, also ich könnte jetzt einfach hier entlanglaufen und weiß, hier ist keine Mine.
Das ist jetzt ein Trugschluss. Dafür würde ich dich jetzt schon rausschmeißen. Du bewegst Dich nicht in dieses Feld solange die rote Linie liegt.
Erst wenn wir 100 Prozent sicher sind, das nichts mehr im Boden ist, dann legen wir den Sucharm nach vorne und dann kannst Du da drauftreten.
Im Bürgerkrieg in Kambodscha wurden Minen nicht nur gegen feindliche Kämpfer verlegt. Sie dienten auch dazu, die Zivilbevölkerung zu terrorisieren und Gebiete unbewohnbar zu machen.
20.000 Menschen kamen seit dem Ende des Bürgerkriegs durch Minen und Blindgänger ums Leben.
So Mirko, der Ernst des Lebens, dein Platz. Wir haben ja schon vorher die Mine einmal andetektiert.
Wir wissen ungefähr, wo sie liegt, deine Aufgabe ist jetzt, das Ding konkret zu lokalisieren – pinpointen nennt man das
und dann legen wir den Sicherheitsbereich fest, von dem aus wir anfangen, uns an die Mine heranzugraben.
Dann holen wir sie raus. - Dann holen wir sie raus. Nimm ruhig die Markierung schon mal weg.
Man merkt schon, wir waren da offenbar nicht so falsch gelegen. Hier wird es wieder schwächer, hier ist es stark.
Signal drauf, zentral, sehr schön. Dann haben wir jetzt das mit dem Detektor erledigt.
Damit Du auch mal die andere Variante kennenlernst. Ich nehme den Detektor und Du versuchst jetzt mal das Ziel mit der Nadel anzudetektieren.
Gut, da merke ich sofort, da ist ein Widerstand. Da, ziemlich genau. - Wie fühlt es sich an?
Eigentlich fühlt es sich harmlos an. Aber wenn ich mir jetzt vorstelle, da ist eine Mine drunter,
da würde ich jetzt echt ins Schwitzen kommen. Jetzt beginnt der gefährlichste Teil, kann man sagen.
Genau. Ja, ich merk auch, wie Du das sehr sensibel handhabst. Das ist jetzt der Moment, wo wir die Mine das erste Mal berührt haben.
Das ist da, wo es gefährlich wird, weil wir versuchen natürlich, die Mine freizulegen, ohne sie zu bewegen.
1992 starten Nichtregierungsorganisationen eine Kampagne für den Verbot von Landminen. Eine der berühmtesten Unterstützerinnen: Prinzessin Diana.
Die Kampagne führt fünf Jahre später zur Ottawa-Konvention, die Antipersonenminen verbietet. Mehr als 160 Staaten haben den Vertrag bis heute unterschrieben.
Der Kampf gegen die Minen wird 1997 mit dem Friedensnobelpreis belohnt. Doch seit dem russischen Angriff auf die Ukraine gibt es Rückschritte.
Einige Ottawa-Vertragsstaaten wie Polen und die baltischen Länder haben ihren Austritt erklärt, eine Renaissance der Landminen droht.
So Mirko, die Stunde der Wahrheit. Jetzt fangen wir an, bis jetzt war es ja Ausbildung, weil das dein erster Tag war, haben wir das Visier oben gehabt.
Jetzt machen wir es mal wirklich real. Und jetzt, wie ich es Dir gezeigt habe. - Okay, dann grabe ich jetzt einmal ein Stückchen.
Ja, ich würde von unten anfangen, weil die Minen werden ja von oben ausgelöst. Ja und wenn wir uns jetzt ganz langsam in der Richtung vorarbeiten.
Bisschen langsamer, sehr enthusiastisch. Ja, so ist es richtig.
Okay. - Prodde noch mal, wo die Mine ist. Du bist dran, also vorsichtig, extrem vorsichtig.
Kann ich das anheben? - Anheben geht. Erkennst Du die jetzt wieder? - Das ist so eine Tretmine.
Richtig. Das wäre jetzt im Grunde der Moment, wo im Feld Du die Hand hebst, dass der Supervisor das für dich identifiziert.
Und möchtest Du die entschärfen von Hand? - Nein.
Das ist auch ein Superplan. Wir sind jetzt in der glücklichen Lage, wir haben den Sprengstoff.
Wir lassen das jetzt so liegen, markieren das Ganze, machen die Lane hier zu
und am Ende des Tages kommen wir zurück und legen eine Ladung dran und vernichten die vor Ort, ohne die weiter zu bewegen.
Das heißt, ich muss die gar nicht rausholen, sondern wir sprengen die einfach dort, wo sie ist.
Das ist wesentlich sicherer und besser für alle Beteiligten. - Das ist mir auch lieber.
Sprengen ist sicherer als entschärfen. Viele Minen sind so konstruiert, dass sie nicht einfach entschärft werden können.
Sie können explodieren, wenn man versucht, den Zünder unschädlich zu machen.
Seit einigen Jahren werden auch Ratten bei der Minensuche eingesetzt. Sie erschnüffeln mit ihren feinen Nasen den Sprengstoff. Doch ihr Einsatz erfordert eine Menge Vorbereitung.
Die Zukunft der Minenräumung liegt wohl eher in moderner Technik. Mit Drohnen und ferngesteuerten Geräten können Entschärfer in sicherem Abstand operieren.
Es ist ein ewiger Wettlauf. Die Sprengkörper werden immer ausgeklügelter und so müssen auch die Minenräumer ständig aufrüsten. Ein Ende ist nicht absehbar.
Ich habe das gerade mal einen Tag gemacht und bin schon völlig fertig. Und wenn ich mir jetzt vorstelle, das jeden Tag machen zu müssen, dann ist das schon anstrengend.
Und dann noch die Gefahr, der man ausgesetzt ist. Das ist echt für mich überhaupt keine Option, ganz ehrlich.
Da habe ich Riesenrespekt vor allen, die diesen Job machen und Frank hat mir vorhin übrigens auch erzählt, dass sie für ihre wichtige Arbeit fast nie ein „Danke“ hören.
Deshalb an dieser Stelle, ganz herzlichen Dank an alle Minenräumerinnen und Minenräumer.
Gibt es andere extreme Jobs, die euch interessieren? Schreibt es gerne in die Kommentare. Und wenn Euch der Beitrag gefallen hat, dann abonniert diesen Kanal.