In den letzten hundert Jahren wurde Cannabis absurd verteufelt, wird jetzt aber an immer mehr
Orten rund um die Welt entkriminalisiert - erst vor kurzem wurde es in Deutschland legalisiert.
Aus gutem Grund! Im Vergleich zu anderen legalen Drogen wie Alkohol,
der pro Jahr einen von zwanzig Toden verursacht, ist Cannabis ziemlich harmlos. Um Verfolgung und
harte Strafen zu rechtfertigen, wurden seine negativen Folgen massiv überhöht.
Es gab eine Menge Gegenwind, und hier lief etwas schief. Durch die Debatte der letzten
Jahre hast du vielleicht den Eindruck erhalten, Gras hätte fast nur Vorteile und wenn überhaupt
nur sehr wenige negative Effekte. Wir selbst haben auch zu diesem Narrativ beigetragen.
Hinzu kommt, dass die Kriminalisierung es schwierig machte, Cannabis und besonders
seine Langzeiteffekte zu erforschen. Es gab viele bürokratische und rechtliche
Hürden und die Studien mussten sich oft auf kleine Stichprobengrößen stützen.
In den letzten Jahren änderte sich das langsam. Zeit also, neue Ergebnisse zu betrachten. Und
die sind nicht besonders schön. Zwar ist Gras immer noch viel weniger schädlich als Alkohol,
es hat aber eine dunkle Seite. Es macht süchtiger als gedacht und kann über längere
Zeit signifikante negative Auswirkungen haben. Es scheint, dass… [wildes Getippe] Was soll das?
Bevor du uns für blöd erklärst, schau dir bitte das Video an. Um eins klarzustellen:
Wir sind überzeugt, dass Verbote nichts bringen und Cannabis legal sein sollte.
Aber wir sollten es als das betrachten, was es ist: Eine Droge mit Vor- und Nachteilen.
Werfen wir also mal einen ehrlichen Blick auf die aktuelle Forschung.
Gras wird immer stärker Die Magie in Cannabis ist Tetrahydrocannabinol,
THC. Es dockt an Cannabinoid-Rezeptoren an, die verschiedene Gehirnfunktionen beeinflussen.
THC aktiviert einige Regionen und beruhigt andere, wodurch lustige Gefühle entstehen.
Je mehr THC, umso intensiver der Rausch. Und Menschen scheinen höhere Highs zu wollen,
zumindest liefert der Markt genau das. In den USA, Kanada und Europa hat sich die THC-Konzentration
in legalen und illegalen Cannabis-Produkten in den letzten Jahrzehnten mehr als verdoppelt. Es werden
immer stärkere Sorten gezüchtet und es gibt immer mehr Produkte wie Edibles oder Konzentrate mit
über 60 % THC, während der Anteil an Produkten mit weniger als 15 % THC zurückgegangen ist.
Leider verschlimmern höhere THC-Dosen aber fast alle Probleme, die das Gras verursachen kann.
Gleichzeitig steigt der Konsum. In den USA haben 2022 erstmals mehr Menschen täglich Cannabis
konsumiert als Alkohol. In Kanada konsumieren 26 % der Menschen über 16. 2018 waren es noch 22 %.
Ob die Legalisierung der Grund dafür ist, ist unklar, da die Studien sehr inkonsistent sind.
Laut mancher Studien ist der Konsum gestiegen, laut anderen gleich geblieben - und der Trend
zum höheren Konsum begann in den 90ern und hat sich in den 2000er Jahren beschleunigt,
also weit vor der Legalisierung. Heute konsumieren also mehr Menschen
mehr und stärkeres Gras als jemals zuvor in den letzten hundert Jahren. Was sind die Folgen?
Beginnen wir mal mit etwas, wofür man früher ausgelacht wurde: Sucht.
Cannabis-Sucht und Entzugserscheinungen Immer wieder heißt es, Gras mache nicht süchtig,
oder jedenfalls nicht erwähnenswert. Für die meisten Menschen stimmt das.
Studien zeigen klar, dass die Mehrheit es gut verträgt - für 8 von 10 Konsumenten ist es nur ein
gelegentlicher Rausch und völlig unproblematisch. Etwa 2 von 10 Konsumenten entwickeln eine
Cannabiskonsumstörung. Sie hat 11 verschiedene Symptome, etwa nicht aufhören zu können, obwohl
du genug hattest, weiter zu konsumieren trotz bekannter negativer Folgen, Toleranzentwicklung
und Entzugserscheinungen. Kurz gesagt: Du konsumierst zu oft, obwohl es schlecht für dich
ist und weniger Spass macht, als es könnte. Dabei gibt es drei Hauptrisikofaktoren:
Die THC-Menge, wie oft du konsumiert, und das Alter, als du angefangen hast. Je mehr THC,
je häufiger und je jünger du bist, desto höher ist dein Risiko. Rauchst du zu oft zu viel Gras,
beeinflusst das dein Leben negativ. Falls du dich darin wiedererkennst: etwas
runterzuschrauben macht einen grossen Unterschied. Einer von 10 Konsumenten entwickelt eine ernste
Sucht. Meistens konsumieren sie täglich und ihr Leben ist dadurch bedeutend eingeschränkt - weil
sie sehr viel Zeit aufwenden, Cannabis zu konsumieren oder sich davon zu erholen. Weil
das Gehirn eine Toleranz aufbaut, brauchen sie immer mehr oder immer stärkeres Gras, oft beides.
Studien zeigen eine Vielzahl negativer Effekte: Starke Konsumenten können schlechte Laune haben,
sich reizbar, unruhig, paranoid, ängstlich und sogar depressiv fühlen. Die traurige Ironie ist,
dass viele Süchtige glauben, Gras gegen diese Symptome zu brauchen.
Vielleicht hat es anfangs geholfen, aber tatsächlich macht es die Symptome schlimmer.
Studien zeigen auch, dass Einsamkeit und häufiger Cannabis-Konsum Hand in Hand gehen. Fühlst du dich
einsam, wirst du eher Gras rauchen, und wenn du Gras rauchst, wirst du dich eher einsam
fühlen. Schwer zu sagen, was zuerst kam, aber sie scheinen sich gegenseitig zu verstärken.
Einerseits fühlt sich Einsamkeit dank Cannabis weniger schlimm an. Andererseits fühlst du
dich durch Cannabis in sozialen Situationen vielleicht unbeholfener und ziehst dich zurück.
Das kann zur Abwärtsspirale werden, die zu Selbstisolation und chronischer Einsamkeit führt.
Viele, die oft konsumieren, erleben auch eine mentale Abstumpfung, die Langeweile erträglich
macht, weil sie das Belohnungssystem des Gehirns beeinflusst wird. Nicht toll, aber gut genug. Du
kannst deine Tage damit verbringen, Zeit totzuschlagen und mäßig spannendes Zeug
zu glotzen. Betäubung statt Spass. Langeweile ist ein Signal, kreativ zu werden oder etwas zu Neues
lernen, das wird aber unterdrückt. Dadurch wird es noch schwieriger, mit Cannabis aufzuh��ren,
weil dein Alltag scheint langweilig und unaufregend und das Gras deshalb verlockend ist.
Konsumierst du oft, kann das auch deine Persönlichkeitsentwicklung hemmen. Die Betäubung
stumpft schlechte Gefühle ab und macht es leicht, sie zu ignorieren. Im echten Leben kannst du
schwierige Gefühle aber nur überwinden, indem du sie zulässt, sie verarbeitest und daran wächst.
Zuletzt noch die körperlichen Entzugserscheinungen. Je mehr du konsumierst,
umso schlimmer sind sie, besonders bei täglichem Konsum. Ein Entzug kann Kopfschmerzen,
Schwitzen oder Frieren, Appetitverlust und sogar Fieber, Übelkeit und Bauchschmerzen verursachen.
Vielleicht kannst du schlecht einschlafen und hast lebhafte, verstörende Träume. Der Entzug kann dich
in eine depressive Stimmung versetzen, in der das Leben sinnlos erscheint. Das kann Rastlosigkeit,
Wut, Ängste oder Nervosität auslösen. Vielleicht fühlst du dich unfähig, irgendwas zu tun.
Nach einigen Tagen werden diese Symptome schwächer und verschwinden nach ein paar
Wochen ganz. Die genaue Zeit hängt davon ab, wie viel und wie lange du Cannabis konsumiert hast.
Und nun zum schlimmsten Teil. Gras könnte dem Gehirn schaden
Die Recherche für diesen Teil hat keinen Spass gemacht. Die Wissenschaft diskutiert heiß,
wie schädlich Gras für das Gehirn ist, und ob es irreversible Langzeitfolgen hat.
Eine definitive Aussage lässt sich kaum treffen. Allerdings wirkt THC direkt auf die kritische
Gehirnchemie ein. Es gibt Hinweise, dass es die Gehirnstruktur verändern KÖNNTE. Falls ja,
geht das vielleicht nach ein paar Jahren ohne THC weg. Oder auch nicht. Wir wissen es nicht.
Die Folgen sind sehr individuell aber besonders bei hohem Konsum
drohen viele Nachteile: Am häufigsten ist die Verschlechterung des Gedächtnisses. Längerer,
starker Konsum könnte die Lernfähigkeit, das Urteilsvermögen, die Wahrnehmung, Aufmerksamkeit,
Entscheidungsfähigkeit, Sprachfähigkeit und Impulskontrolle verschlechtern. Die
meisten negativen Folgen scheinen nach dem Aufhören mit der Zeit zu verschwinden oder
bessern sich zumindest. Aber auch hier fehlt uns noch Wissen – weitere Forschung ist nötig.
Deutlicher zeigt die Forschung, dass ein hoher Gras-Konsum für Teenager richtig schlecht ist.
Konsumierst du schon früh viel, können sich potenziell schädliche Nebeneffekte über
sehr viel mehr Jahre aufbauen. Teens, die viel kiffen, entwickeln mit viel
größerer Wahrscheinlichkeit eine Abhängigkeit. Es könnte nur eine Korrelation sein und Gras
ist vielleicht nicht die Ursache, aber wer viel konsumiert, ist eher schlecht in der Schule und
macht seltener seinen Abschluss. Im Durchschnitt sind diese Menschen weniger zufrieden mit ihrem
Leben und ihren Erfolgen. Vielleicht, weil du weniger interessante Erfahrungen machst und die
bestehenden vergisst, weil Motivation und Gedächtnis beeinträchtigt sind.
Es gibt auch starke Hinweise, dass Teenager, die Gras konsumieren, später eher psychische Probleme
wie Psychosen, Schizophrenie, Depressionen oder Angststörungen entwickeln. Auch hier gilt,
je jünger du anfängst, umso größer das Risiko. Hohe THC-Dosen scheinen das Risiko ebenfalls zu
steigern weshalb hochpotente Cannabisprodukte für Teens sogar noch gefährlicher sind.
Okay, kommen wir zum Schluss. Wir haben uns jetzt nur auf die negativen Effekte konzentriert.
Wie erwähnt ist Gras in Maßen für die meisten Menschen kein Problem und definitiv
weniger schädlich als Alkohol. Lebe dein Leben - wir sind nicht deine Eltern. Der
Vorteil mäßigen Konsums ist es, dass Dein Erlebnis intensiver und spezieller ist.
Für Teenager ist Gras aber eine blöde Idee, besonders regelmäßig oder in großen Mengen,
und kann sogar lebensverändernde Konsequenzen haben. Die Kriminalisierung hat da kein
bisschen geholfen. Die Legalisierung bietet jetzt eine neue Chance. Das fängt damit an,
offen und ehrlich über den Stand der Wissenschaft zu sprechen und anzuerkennen,
dass Gras eine Droge unter vielen ist. Sicherlich bei weitem nicht die schlimmste, aber trotzdem
problematisch für 1 bis 3 von 10 Konsumenten. Musst du Cannabis unbedingt ausprobieren,
lass dir Zeit - und zwar bis mindestens 20. Bist du jünger, ist wissenschaftlich klar:
Lass es. Zumindest jetzt noch. Du wirst später noch genug Zeit zum Experimentieren haben.