Ein Mensch im 21. Jahrhundert zu sein, ist oft frustrierend an. Wir befinden uns auf
dem Höhepunkt unserer Spezies - noch nie waren so viele so gesund und wohlhabend.
Gleichzeitig ist das Leben hart - alleine gestern sind 15 Tausend Kinder gestorben,
700 Millionen Menschen leben in extremer Armut, und selbst in reichen Gesellschaften
gibt es krasse Ungerechtigkeiten und tägliche Kämpfe. Wir sind gespalten,
unfähig, Probleme zu lösen, während wir neue schaffen und dabei die Welt zerstören.
Es fühlt sich so an als ob wir in dunklen Zeiten leben. Angesichts der
riesigen Probleme ist es einfach, sich machtlos zu fühlen. Untergangsstimmung,
Hoffnungslosigkeit und Traurigkeit breiten sich aus. Auch wir fühlen das. Es ist eine
weit verbreitete Art unsere Zeit zu sehen und es ist viel Wahres daran.
Aber wie Terry Pratchett sagte, wir sind Affen die Geschichten erzählen.
Mit Erzählungen konstruieren wir unsere Welt. Ohne die schlechten Seiten zu verharmlosen,
wollen wir eine Story erzählen, die wir hilfreich im Umgang mit der Welt finden. Dies ist alles
subjektiv und kein Wissenschaftsvideo, du kannst das gerne anders sehen.
Unsere Geschichte beginnt mit dem ersten Moment, den es je gab.
Vor 14 Milliarden Jahren begannen Zeit und Raum aus einer Art Zustand purer Energie. Von diesem
allerersten Moment an wuchs das Universum. Aus Dingen, die eins waren, wurden viele.
Energie verwandelte sich in Kräfte und Teilchen, aus Chaos entstanden
Naturgesetze. Daraus entstanden Sterne, gigantische Maschinen, die einfache Dinge
in komplexe verwandeln , um dann gewaltsam zu sterben und die neue Komplexität zu verteilen.
Aus dem komplexeren Zeug entstanden neue Sterne und Welten, das wiederholte sich, bis das
meiste Material verbraucht war und die meisten Sterne, die es je geben wird, entstanden waren.
Dann, auf einem Planeten mit genau den richtigen Bedingungen,
kombinierten sich Teilchen und Moleküle zu etwas noch komplexerem. Vielleicht waren die Gesetze,
die alles regeln, dazu bestimmt, Leben entstehen zu lassen. Vielleicht war es auch nur ein Zufall.
Doch das Leben verschwendete keine Zeit und breitete sich bis in die kleinsten
Winkel aus. Milliarden von Jahren hielten die Zellen durch, kämpften gegen die Elemente und
gegeneinander und entwickelten sich weiter. Bis sie sich zusammentaten und einen weiteren Sprung
an Komplexität machten, zu Pflanzen, Tieren und Pilzen. Zuerst in den Ozeanen, dann auf dem Land.
Die Erde war nun Schauplatz einer hochtourigen Maschine zur Beschleunigung der Komplexität.
Millionen neuer Arten tauchten auf und verschwanden wieder. Das Leben wurde
oft niedergerungen, kam aber jedes Mal stärker zurück. Es besiedelte Nischen,
geflastert mit den Leichen der Vorgänger. Die meisten Wesen
sind für immer in der Zeit verloren, wir kennen nur ihr schwaches Echo.
Irgendwann schaute ein Tier in den Nachthimmel. Es betrachtete seine Hände. Es sah sein Spiegelbild
in einer Pfütze. Und es erkannte, dass es existierte. Dass es lebendig war. Hier und jetzt.
Wahrscheinlich hast du sowas als Kleinkind auch erlebt. Hier beginnt die Geschichte des Menschen,
vor etwa sieben Millionen Jahren, mit den Hominini. Sie sind immer noch nur Tiere
unter vielen anderen. Sie spalteten sich in viele Familien und Abstammungslinien auf,
die sich weiterentwickelten oder verschwanden.
Aber aus irgendeinem Grund wuchs ihr Gehirn und sie lernten mehr über diese seltsame Welt.
Sie beteten zu den Sternen, sie zähmten das Feuer und verwandelten Steine in Werkzeuge.
Sie feierten und weinten gemeinsam. Das Leben war hart und brutal kurz,
aber gemeinsam hielten sie durch - wahrscheinlich, indem sie sich Geschichten über die Welt
erzählten. Fast 300.000 Generationen lang schufen sie eine biologische Grundlage.
Und dann, irgendwann vor 200.000 Jahren oder etwa 10.000 Generationen,
wurden sie zu uns. Die Menschheit war da.
Unsere Vorfahren verloren keine Zeit. Ihre Welt war immer noch gnadenlos,
aber aus reiner Sturheit haben sie das nicht akzeptiert. Sie wollten ein besseres Leben. Also
stellten sie bessere Werkzeuge her und lernten, ihr Wissen über den Tod hinaus zu bewahren.
Fortschritt begann nur langsam. Plötzlich jedoch machten sie sich - oder besser: WIR - den Planeten
zu eigen. Ackerbau, Dörfer und Tempel wurden zu Zivilisationen. Königreiche und Imperien,
Technologie, Schrift, Astronomie, Medizin, Philosophie. Ein Moment später: Wissenschaft,
Industrialisierung, das Informationszeitalter, in dem wir uns heute befinden.
Die Erde gehört jetzt uns. Wir haben sie so verändert,
wie es vor wenigen Generationen noch unvorstellbar war. Land wurd zu Felder,
die von Millionen Maschinen bearbeitet werden, und Tausende Dschungel aus Beton errichtet.
Wir haben das Atom gespalten und andere Welten bereist. Alles ist anders heute.
Außer uns natürlich. Wir wurden geformt von einer gnadenlosen Welt, in der wir hart und
brutal sein mussten, um zu überleben. Wir sind immer noch Sklaven unserer Natur,
die uns so erfolgreich gemacht hat. Wir erzählen immer noch Geschichten,
sind hungrig nach Nahrung, gierig nach Ressourcen und Aufmerksamkeit.
Wir haben Angst vor den imaginären und realen Gefahren der Dunkelheit.
Wir sind immer noch brutal zueinander und zu den Tieren, über die wir Macht haben.
Wir sind weiter besitzergreifend, haben Angst vor Verlust und Wandel. Wir spielen
unser Zerstörungswerk herunter und ignorieren die Menschen in Not außerhalb unserer Stämme.
Menschen sind nicht nett. Wenn wir uns die Geschichte ansehen, wie sollten wir
es auch sein? In der Natur sehen wir große Schönheit, aber auch Gewalt und Kämpfe, ohne
Moral oder Gnade. Wir sind ein instinktgesteuertes Raubtier, das in einer kalten Welt überlebt hat,
nur dass wir jetzt Kohlekraftwerke, Atomwaffen und soziale Medien haben.
Das wäre für jedes Tier schwer, und so ist es nur logisch, dass wir weiterhin den Trieben folgen,
die so tief in uns verwurzelt sind. Das ist aber nur so weil wir das unfassbare Geschenk,
das uns gemacht wurde, noch nicht erkannt haben.
Die wahre Tragödie der Menschheit besteht darin, dass wir diese mächtigen Wesen sind,
die ihr echtes Potenzial noch nicht entfaltet haben. Wir sind im Jetzt gefangen und in der
Denkweise einer begrenzten Welt. Doch außer den physikalischen Grenzen des Universums hält uns
nichts davon ab, ein Paradies zu schaffen. Klingt albern, ist aber wahr. Wir müssen nur wagen,
eine andere Geschichte darüber zu erzählen, wer wir sind und wer wir sein könnten.
Im Laufe der Geschichte hatten die Menschen immer das Gefühl,
dass die Apokalypse bevorsteht, auch heute. Aber es besteht eine gute Chance,
dass die Menschheit noch Tausende, vielleicht sogar Millionen von Jahren weiterleben wird.
Wenn dies der Beginn unserer Geschichte ist, wovon können wir dann träumen? Genau
wie unsere ersten Vorfahren vor sieben Millionen Jahren könnten wir die Vorfahren
weiterer 300.000 Generationen von Menschen sein.
Während sich die Hominini machtlos in einer Welt wiederfanden, an die sie sich anpassen mussten,
könnte unser Start nicht unterschiedlicher sein. Man hat uns quasi einen Spielstand
übergeben, in den andere Millionen Stunden investierten - und in dem es an uns liegt,
welches Spiel wir spielen wollen.
Die Welt ist immer noch furchtbar. Aber auch die beste,
die je existiert hat. Und wir können sie so viel besser machen.
Ein Mensch, der im Jahr 1924 lebte, würde nicht glauben, welche Fortschritte wir in
nur einem Jahrhundert gemacht haben. Wie sehr wir Armut reduziert und Krankheiten geheilt haben,
wie viel Freizeit und Luxus wir haben, welche technischen Wunder selbstverständlich sind,
wie wenige von uns im Krieg sterben, wie viele in einer Demokratie leben.
Heute könnte ein Sprung bevorstehen wie bei unseren Vorfahren vor 10 000 Jahren,
als Landwirtschaft alles veränderte. Von KI, die das Informationszeitalter verändert,
über die Biotechnologie, die uns ermöglicht, die Sprache des Lebens zu verändern,
bis hin zu neuen nachhaltigen Methoden um die Energie zu gewinnen nach der wir gieren.
Wenn wir in Jahrzehnten und Jahrhunderten denken,
können wir unsere Probleme lösen. Wir können Armut beseitigen,
vielleicht sogar alle materiellen Bedürfnisse. Wir können alle Krankheiten besiegen, vielleicht
sogar den Tod. Wir können das Klima wieder ins Gleichgewicht bringen und die Erde heilen.
Vielleicht können wir uns an das Informationszeitalter anpassen und ewigen
Frieden schaffen. Nichts ist garantiert, der Weg wird hart und voller Rückschläge sein. Manches
wird schlimmer werden, bevor es besser wird. Wir werden immer wieder gegen unsere Natur kämpfen.
Aber wenn wir unser Leben in Ordnung bringen, könnten wir eine Welt schaffen,
die besser wird, als je erhofft. Wir können das. Wir leben in einer fehlerhaft Welt,
die aber auch die beste ist, die es je gab. Und wir können sie besser machen.
Wir können eine Welt mit möglichst wenig Leid schaffen, die unserer Natur
entspricht und uns inspiriert, das Beste aus uns selbst zu machen.
Es ist soweit. Das ist der Human Era Kalender 12.025. Vor 200.000 Jahre begann die größte
Reise der Menschheit, die unsere Vorfahren von Ostafrika aus über den gesamten Planeten führte.
Barfuß, nur mit primitiven Werkzeugen brachen sie auf, um Täler und Berge zu bezwingen und
sich gegen Raubtiere zu verteidigen, um in einer fremden Welt ein neues Zuhause zu finden.
Begleitet uns durch 12.025, entdeckt jeden Monat eine neue Welt, während ihr eure eigenen Abenteuer
festhaltet. Lasst uns mit diesem Kalender die Erfolge der frühen Menschen feiern!
Sie schafften es, im rauen Klima zu überleben und in einer Welt zu navigieren,
in denen sie Jäger und auch Beute waren. Und das alles,
während sie sich stetig entwickelten bis ihr dieses Video jetzt sehen könnt.
Jedes Jahr veröffentlichen wir eine neue Ausgabe dieses besonderen Herzensprojekts. Wir glauben,
dass Geschichten wichtig sind und unsere Spezies
formen. Deshalb haben wir uns für ein neues Jahr Null entschieden.
Es steht für den Beginn des Zeitalters der Menschheit vor 12.000 Jahren. Als wir begannen,
in einem größeren Rahmen zusammenzuarbeiten und die Basis für die heutige Zivilisation legten.
Der Kalender hat auch für uns bei kurzgesagt eine besondere Bedeutung.
Wir haben als kleines Studio mit dem Traum begonnen, Menschen auf der ganzen Welt zu
inspirieren. Aber es stellte sich schnell heraus: aufwendige Videos
kostenlos zu veröffentlichen, war kein gutes Geschäftsmodell.
Das änderte sich 2016, mit dem ersten Human Era Kalender. Er war ein Riesen-Erfolg und
nach wenigen Stunden ausverkauft. Er hat den kurzgesagt-Shop begründet und die
Entwicklung weiterer hochwertiger Wissenschaftsprodukte ermöglicht.
So konnte das Team wachsen, die Qualität der Videos und Recherchen
verbessert werden und die Videos trotzdem weiter kostenlos bleiben.
Holt euch diese besondere Ode an die Menschheit und werdet Teil von
kurzgesagt. Wir haben auch ein paar tolle Angebote für euch vorbereitet.
Vielen Dank, dass ihr jedes Jahr zusammenkommt,
um all dies möglich zu machen! Wir sehen uns im Jahr 12.025!